„Captain, es war die beste aller Serien…“ | Einblicke in eine Nerd-Bibliothek

Ja, nanu, was macht denn da die halbe Star Trek-Crew über der nordamerikanischen Literatur und – noch schlimmer – vor Kindlers Literaturlexikon?

Crew Books

Der eine oder andere mag ja so seine Probleme mit Popkultur haben. Mit dem Nerdigen, Geekigen. Aber wenn Captain Kirk in Star Trek II – Der Zorn des Khan nicht Charles Dickens‘ Roman Geschichte zweier Städte geschenkt bekommen hätte, dann würde ich bis heute nur die berühmten ersten Zeilen („It was the best of times, it was the worst of times…“) dieses Klassikers kennen. Vermutlich hätte ich auch Dostojewskijs Brüder Karamasow nicht gelesen, wäre Aljoscha in der Verfilmung nicht von Captain Kirk-Darsteller William Shatner gespielt worden.

Star Trek trieb aber nicht nur einige klassische Werke der Weltliteratur in meine Hände, sondern ich verstehe dank Captain Kirk & Co. auch auf Anhieb, warum man einem Buch den Titel Cowboys are my weakness geben kann. Und ich glaube zudem, dank meiner Star Trek-Vergangenheit gut für die Lektüre von Salman Rushdies Chekov and Zulu geeignet zu sein.

Was ist das also nun mit diesem Star Trek? Sekundärliteratur, Medientheorie, das alles habe ich studiert. Bin weder Apokalyptiker noch Integrierter, um mit Umberto Eco anzugeben zu sprechen. Jedenfalls amüsiere ich mich nicht zu Tode.

Seit meiner ersten Begegnung mit Star Trek musste ich nämlich vor allem lernen, dass es in der realen Welt keinen Universalübersetzer gibt. Und so begleiteten mich die (zugegebenermaßen häufig schlechten) Star Trek-Romane zunächst auf Deutsch, dann auf Englisch und später auf Französisch.

Dem aufmerksamen Leser meines Blogs wird außerdem nicht entgangen sein, dass ich gelegentlich auf Spanisch mit Captain Kirk parliere. Erste Recherchearbeiten, mit welchem Crewmitglied ich mein brasilianisches Portugiesisch aufpeppen kann, laufen. Brasilien ist Ehrengast der Frankfurter Buchmesse. Es wird also Zeit, não é?

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Autor: andreabreuer

Bloggt über Weltliteratur & Straßenpoesie. Arbeitet mit Texten, Menschen & Sprachen. Mainz. |

38 Kommentare zu „„Captain, es war die beste aller Serien…“ | Einblicke in eine Nerd-Bibliothek“

  1. Also, ich persönlich habe ja gar keinen Draht zu Star Trek, aber der Artikel gefällt mir trotzdem gut … :) Und viel Erfolg mit dem Brasilianisch-Portugiesischen. Mögen sich gute Wegbegleiter pardon Crewmitglieder finden lassen!

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  2. Liebe Andrea, auch ich gehöre zu denen, die mit Star Trek gar nichts am Hut haben, aber deinen Beitrag mit großem Vergnügen gelesen haben. Von „Durchkämpfen“ kann überhaupt keine Rede sein ;-) In meiner Küche blickt übrigens seit Jahren der wunderbare Elijah Wood vom „Alles ist erleuchtet“-Filmplakat mit großen Augen in die Welt. Herzliche Grüße, auch ans Nordamerika-Regal!

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    1. Oh, das freut mich! Ich hoffe, das Buch ist nicht zu trocken. Kann es sein, dass es darin in erster Linie um Physik geht? Falls Du darüber einen Blog-Beitrag schreibst, bin ich schon sehr auf die Karte gespannt. :-) Viele Grüße!

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  3. Es ist doch gleich, welche Zauberworte einem Menschen Geist und Herz öffnen. Mag es nun Star Trek, Herr der Ringe, Star Wars, Dr. Who oder oder oder sein.

    Meiner bescheidenen Meinung nach dürfen unsere Horizonte ruhig etwas exotische Farbe und Form besitzen. Es dient nicht der Rechtfertigung, wenn ich behaupte, dass oben genannte Stoffe dazu bewegen Neuem und Unbekannten neugierig, aufgeschlossen und mutig entgegenzutreten.
    Wichtig scheint mir, dass jeder von uns hinterfragt, erkundet, Neues (für sich) entdeckt und nicht stumpfsinnig, voll von Vorurteilen, verbohrt und unzufrieden in sich selbst verschachtelt sich allen unbekannten Einflüssen verweigert.

    Sei es ein Bild oder Foto, Musik, Natur, Kulturen, der Film, ein Buch, ein Comic, auch ein Spielzeug. Wer forscht, erkundet und hinterfragt, wird hinter vielen Dingen im Leben ein gigantisches Universum entdecken. Alles ist fließend. Und mögen wir auch nicht alles erfassen können. Nur wer dieser Welt da draußen offen entgegen tritt, wird einen Eindruck vom großen Ganzen erhalten.

    Bei genauerem Blick offenbaren sich lohnenswerte Möglichkeiten und Wege. So mache Actionfigur, Comic oder TV-Serie schuf die Grundlage für ein Gespräch, das in einer wertvollen Freundschaft endete. Herz und Geist, Antrieb und Wärme, die uns Freu(n)de und Antrieb schenken. Alle suchen nach dem Sinn des Lebens … haben wir ihn nicht schon längst gefunden?

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  4. Star Trek Fan hier, bekennender.
    Ich finde ja, man muss Bücher mögen, um so manches Detail der Serien wirklich würdigen zu können. Allein diese eine Sprache aus TNG, die nicht aus Vokabeln sondern aus Referenzen zu historischen/mythischen Ereignissen besteht!

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  5. Und noch ein Star-Trek-Fan hier. Trekkie würde ich mich nicht nennen, habe aber außer DS 9 alle Filme und Serienfolgen gesehen (und es waren wahrlich nicht alle gut…). Vermutlich kann man den Einfluss von Star Trek auf die Popkultur gar nicht unterschätzen. ;-) Die Szene mit Dickens aus ST II ist mir entgangen, bzw. ich habe sie vergessen. Ein guter Grund, den Film gleich noch mal zu schauen. ;-)

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    1. Respekt, denn es waren wirklich nicht alle gut. :-) (Ich habe bei Voyager ausgesetzt.) Ich liebe übrigens Deinen Blog, vor allem die Kategorie „BBC-Literaturverfilmungen“ finde ich sehr spannend!

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  6. Mein schönstes Erlebnis als Trekki? Beim Klettern in der Sächsischen Schweiz stellten eine Bekannte und ich plötzlich fest, dass wir beide Trekkis sind, nachdem wir das jahrelang nicht voneinander wussten. Einen ganzen Tag unterhielten wir uns, während wir kletterten, über TNG. Besonders als wir uns über Dinge unterhielten, die nicht chronologisch von Folge zu Folge erzählt wurden, starrten uns die Kumpels entgeistert an. Wir aber hatten einen schönen Tag

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  7. Es gibt ja jetzt ein Buch, welches behauptet und nachzuweisen sucht, dass es die Welt nicht gibt, sondern nur Sinnfelder. Star Trek gehört für mich zu diesen Sinnfeldern. Oder anders: Die Serien vermochten es, in mir eine Ahnung zu erzeugen, dass es jenseits der „last frontier“ ein Sinnfeld geben könnte, das alle anderen umfasst.

    Buchtip hierzu: Markus Gabriel, „Warum es die Welt nicht gibt“

    Liebe Grüße

    Achim

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    1. Lieber Achim, vielen Dank für den Buchtipp! Der Gedanke mit den Sinnfeldern gefällt mir sehr gut. Ich werde mich mal genauer damit auseinandersetzen, was Markus Gabriel hierzu sagt. :-) Liebe Grüße, Andrea

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  8. Übrigens Nachtrag zu Dickens bei Star Trek (ich geb zu, dass ich es gegoogelt habe): Neben ST II taucht Dickens noch in zwei TNG-Folgen auf. Einmal analysiert Data das Gesamtwerk des Meisters – während eines Kusses. Das andere Mal spielt er auf dem Holodeck Scrooge. Keine Ahnung, ob das jemanden interessiert. ;-)

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  9. Die Folgen heißen „Datas erste Liebe“ und „Der Pakt mit dem Teufel“. Mich wundert, dass in der Star-Trek-Wiki die Dickens-Szene aus ST II nicht erwähnt ist. Bin leider noch nicht dazu gekommen, den Film noch mal zu sehen, aber ich glaube Dir auch so. :-)

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  10. Danke für diesen schönen Artikel, da fühle ich mich als „alter“ Star Trek-Fan und Nerd richtig wohl und verstanden! :-) Auch ich habe durch Kirk & Spock Dickens und Dostojewski entdeckt. Und auf deinen Fotos ist tatsächlich ein Buch, das ich noch nicht kenne: „Unendliche Weiten“ von Ingrid Weber. Ist zwar schon älter, kommt aber trotzdem auf meinen Wunschzettel!

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  11. Wie schön dass Du die „Wurzeln“ nicht vergessen hast :) ich habe seit ein paar Tagen wieder die guten alten Romane rausgekramt – einige, die ich damals bei Dir ausgeliehen hatte, habe ich nun selber auch …. Viele Grüße von (derzeit) Vulkan :) (erinnerst Du dich an Akalla? Kirk: Deshalb habe ich beschlossen, an der Starfleet-Akademie zu lehren. Und mein Wissen an die nächste Generation weiterzugeben, um dafür zu sorgen, daß sie mehr leistet als wir.
    McCoy: Mehr als wir? Dazu ist kein Lehrer notwendig, sondern ein Wunder. ) , deine Andrea

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    1. Liebe Andrea, die “Wurzeln” begleiten mich noch fast täglich. :-) Allerdings habe ich mich von einigen der richtig schlechten Romane getrennt. Klar erinnere ich mich an Akkalla! :-) Mir ist vor einigen Monaten wieder die umfangreiche Zitatensammlung, fein säuberlich mit der Schreibmaschine abgetippt, in die Hände gefallen. Witzig, dass man die Zitate nach so vielen Jahren fast noch auswendig mitsprechen kann…. Ich hoffe, Du hast Deine Vulkanisch-Unterlagen noch! :-) Liebe Grüße!

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  12. Liebe Andrea, ja natürlich habe ich die noch, sie liegen fein säuberlich oben auf den Romanen zu den Kinofilmen – oder um es anders zu sagen „Tai nasha no karosha“.
    ich habe heute morgen zum Frühstück wieder einmal angefangen, Spocks World zu lesen und war verwundert, wieviele Sätze mir davon noch gut im Gedächtnis waren … ja, ich finde es auch witzig und ein wenig beunruhigend, wieviel davon hängen geblieben ist und wieviel anderes wieder aus dem Kopf verschwand.
    Übrigens brachte Star Trek mich über Umwegen zu R.A. Heinlein und der wiederum „zwang“ mich mit seinen Anspielungen und Zitaten, Tolstoi, E.R. Burroughs und F.L. Baum zu lesen :)
    Lebe lange und erfolgreich mellon nin

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