Denk ich an Mainz in der Nacht…


Von Mainz nach La PazKaiserstraße Mainz, 10. November 1938: „Dann gab es ein fürchterliches Krachen an unserer Wohnungstür, und bevor wir wussten, wie uns geschah, standen wir plötzlich einer großen Horde von Männern gegenüber […] Alles splitterte und brach in Stücke.“

Nachbarn sammeln die im Hof verstreute Kleidung auf. Am folgenden Tag schaut ein Polizist vorbei. Er verspricht der Familie, dass dem Vater, der sich auf dem Speicher versteckt, nichts geschehen werde. Aber danach, so Renata Schwarz in ihren Erinnerungen Von Mainz nach La Paz, war nichts mehr wie zuvor. Der Vater kann nach den Ereignissen vom 10. November acht Tage lang nicht sprechen: „Bei ihm war innerlich etwas zerbrochen.“  Renatas Familie flieht nach Lateinamerika.

Weiterlesen „Denk ich an Mainz in der Nacht…“

Advertisements

Edgardo Cozarinsky: Man nennt mich flatterhaft und was weiß ich… | Literatur aus Argentinien

Cozarinsky_Man nennt michAm Anfang war ein jiddisches Theaterstück. Zugegeben, ein schlechtes Revuestück, das zudem den reißerischen Titel Der moldawische Zuhälter trägt. Es erzählt die Geschichte von Taube, die gemeinsam mit anderen osteuropäischen Mädchen unter falschen Versprechungen nach Argentinien gelockt wird.

In der Neuen Welt erwartet sie ein Leben im Bordell. Wer nicht spurt, wird bestraft. Doch in einem Revuestück lässt der Kitsch nicht lange auf sich warten: Der Zuhälter Méndele wandelt sich vom Bösen zum Guten, rettet Taube aus ihrer misslichen Lage und beide tanzen, begleitet von Tango-Rhythmen, einem besseren Leben entgegen.

Weiterlesen „Edgardo Cozarinsky: Man nennt mich flatterhaft und was weiß ich… | Literatur aus Argentinien“