מגנצא – Am Judensand: Der Alte Jüdische Friedhof in Mainz

Kein Hinweisschild dorthin, nirgendwo – und doch ist es für gut vorbereitete Mainz-Touristen nicht unmöglich, jene Begräbnisstätte zu finden, die zu den ältesten jüdischen Friedhöfen in ganz Europa zählt.

Der Alte Jüdische Friedhof am Judensand, einst vor den Stadtmauern von Mainz angelegt, befindet sich an der heutigen Mombacher Straße, hinter den Gleisen des Mainzer Hauptbahnhofs. Der älteste Grabstein des Denkmalfriedhofs datiert zurück auf das Jahr 1049. Er ist im Landesmuseum Mainz ausgestellt. Im Mittelalter zählte Mainz (Magenza) gemeinsam mit Speyer und Worms zu den so genannten SchUM-Städten, den bedeutendsten jüdischen Gemeinden im deutschen Raum. Die Bezeichnung SchUM leitet sich aus den Anfangsbuchstaben der drei hebräischen Städtenamen ab.

Genau gegenüber dem Alten Jüdischen Friedhof liegt übrigens der Güterbahnhof. Während des Nationalsozialismus bedeutete er als Deportationsbahnhof für viele Mainzer Bürger den Tod. Eine Gedenktafel? Nirgendwo.

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Autor: andreabreuer

Bloggt über Weltliteratur & Straßenpoesie. Arbeitet mit Texten, Menschen & Sprachen. Mainz. |

15 Kommentare zu „מגנצא – Am Judensand: Der Alte Jüdische Friedhof in Mainz“

  1. Ich bin nicht so ganz sicher, ob dieser Hinweis auf den Standort eines jüdischen Friedhofs zum richtigen Zeitpunkt veröffentlicht wird. Können Sie nicht damit warten, bis die Gemüter sich etwas beruhigt haben?

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    1. Sehr geehrter François, ich nehme Ihre Sorge sehr ernst – nehme jedoch grundsätzlich keine Rücksicht auf in irgendeine Weise fehlgeleitete extremistische Gemüter. Meine Blogleser gehören übrigens nicht zu diesen. Meines Wissens wurden auch die Bemühungen um die Aufnahme der SchUM-Städte in die UNESCO-Weltkulturerbeliste wegen der militärischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten & dubioser Meinungsäußerungen auf Demonstrationen in Deutschland nicht ausgesetzt. Wenn man in Deutschland nur Beiträge zum Thema Judentum veröffentlichen kann, wenn nichts zu befürchten ist, kann man übrigens lange warten. Mit allem Respekt etc.

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  2. Liebe Andrea, wie du weißt, streife ich furchtbar gern über alte Friedhöfe. Sollte ich es wirklich mal nach Mainz schaffen, dann unbedingt auch an diesen Ort, der ja nun dank deines Blogs über Hinweis- und Gedenktafel zugleich verfügt. Liebe Grüße aus den nördlichen Tropen!

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    1. Liebe Maren, oh ja! Über jenen alten Friedhof gibt es regelmäßig Führungen, sonst ist er geschlossen. Aber auch beim Entlang-Streifen kann man sehr, sehr viel sehen. Da Du es ja schon bis in den Taunus geschafft hast, hoffe ich auf Deinen baldigen Besuch in Mainz. :-) Liebe Grüße in die hoffentlich nicht traurigen nördlichen Tropen!

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  3. Ichbin vor Jahrenauch mal nur dort „vorbeigestreift“. Würde mich aber sehr dafür interessieren mal eine Führung mitzumachen. Wann werden die angeboten? wie erfährt man davon?
    Vielleicht passts ja mal wenn ich wieder in Mainz bin.

    Herzlichen Gruß
    Werner

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    1. Lieber Werner,

      ich habe leider auch noch nicht an einer Führung teilgenommen. Sie werden aber z.B. gelegentlich von „Geographie für alle“ angeboten: http://www.geographie-fuer-alle.de/stadtfuehrung-mainz
      (Oder im Zweifelsfall einfach bei der Jüdischen Gemeinde nachfragen…)

      Und Rundgänge über den neuen jüdischen Friedhof (und andere spannende Rundgänge) bietet der Verein für Sozialgeschichte an: http://www.sozialgeschichte-mainz.de/veranstaltungen.html#c75035

      Viele Grüße & bis irgendwann einmal in Mainz! :-)

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  4. Liebe Andrea, anders als François finde ich es echt klasse, dass gerade jetzt erneut auf die lange Tradition des jüdischen Lebens in Mainz und Deutschland hinweist. Denn wenn es nicht so banal wäre, müsste man sagen, das Judentum gehört zu Deutschland. (Wie die negativer Begleiterscheinung des Antisemitismus wohl leider auch.) Mal wieder vielen Dank. Und wenn ich den Kopf ein wenig freier habe, werde ich deinen Links mal ausgiebiger folgen.

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    1. Stimme Dir sehr zu. Wenn die ältesten in unserer Stadt (gefundenen) jüdischen Grabsteine aus dem 11. Jahrhundert stammen, bin ich auch einfach mal so dreist zu behaupten, dass das Judentum zu Deutschland gehört. :-) Danke Dir sehr für Deinen Kommentar, lieber Kultgenosse!

      Gefällt 1 Person

  5. Liebe Andrea, dein Archiv wird in den nächsten Wochen und Monaten mein Fundus sein. Ich bin gespannt und danke für diese wunderbare Anregung.
    Liebe Grüße von der Bücherliebhaberin

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