„Das kann ich nicht twittern!“ – LiteraturCamp Heidelberg

Besucht man zum zweiten Mal ein Barcamp, gehört man irgendwie schon zu den alten Hasen. Erspart wird einem beispielsweise die Running-Gag-Begrüßung: „Hallo! Jeder, der zum ersten Mal auf einem Barcamp ist, muss eine Session anbieten.“

Besucht man zum zweiten Mal ein Barcamp, gehört man irgendwie nicht zu den alten Hasen – denn man weiß, dass die Basisverpflegung kostenlos ist, schleppt aber trotzdem das Survival Kit für einen dreiwöchigen Wildnisaufenthalt mit.

Das LiteraturCamp Heidelberg (#litcamp16) fand am 11. und 12. Juni 2016 in der Alten Feuerwache Heidelberg statt. Wie bei einem Barcamp üblich, werden die Themen der Sessions erst am Tag selbst festgelegt – jeder Teilnehmer darf eine Session anbieten oder auch, in der Hoffnung auf anwesende Experten, eine Session erfragen.

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Schwebende Bücher, erste Worte, Lesefreude – Welttag des Buches

Ein libro sospeso ist ein schwebendes Buch. Schwebend? Warum denn schwebend? Pate stand ein Brauch aus Neapel, erfahre ich, der Caffè sospeso. Man trinkt einen Kaffee und zahlt zwei. Der zweite Kaffee bleibt in der Schwebe, bis ein Bedürftiger kommt und um einen Kaffee bittet.

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Transparenz-Lehrstück aus der Vorhölle des Buch-Marketings

Irgendwo in Deutschland. Eine institutionell-internationalisierte regionale Buchmesse für Kleinverlage. Verlegerin Z. steht allein an ihrem Stand und starrt ins Leere. Bloggerin A. und ihr Blogpraktikant J. treten hinzu.

BLOGGERIN A. [greift ohne zu zögern nach zwei Büchern und blättert sie durch]: Die sind ja spannend…

VERLEGERIN Z.: Mhm.

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Martello Tower, Sandycove: Rather bleak in wintertime…


„Rather bleak in wintertime, I should say. Martello you call it?“

Ja, Martello Tower nennt man ihn, den berühmten Schauplatz aus James Joyce‘ Klassiker Ulysses.

Etwas trist sieht er tatsächlich aus, der Martello Tower in Sandycove, in dem Joyce einige Tage im September 1904 lebte:

Martello Tower Sandycove 1

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Von gruseligen Ungeheuern und flinken Zwergen im Moor – Mit W.B. Yeats in Sligo

Es ist ein schöner Sommerabend, als der noch junge William Butler Yeats zu einer Wanderung rund um den Lough Gill im County Sligo aufbricht. Viele Jahre später wird er dem See und seiner sagenumwobenen Insel in dem Gedicht The Lake Isle of Innisfree ein literarisches Denkmal setzen:

”I will arise and go now, and go to Innisfree,

And a small cabin build there, of clay and wattles made …

And I shall have some peace there,

For peace comes dropping slow…”

War es die Schönheit der Insel, die den irischen Dichter W.B. Yeats anzog, oder war es vielleicht doch eher die Geschichte von dem Ungeheuer, das dort seit jeher sein Unwesen treiben soll?

Mehr als hundert Jahre nach Yeats’ nächtlicher Exkursion stehen wir an den Ufern des Lough Gill. Und tatsächlich, mit dem leisen Plätschern des Sees sinkt auch um uns herum der Friede herab. Von einem mythischen Ungeheuer fehlt indes jede Spur.

Sligo Lough Gill
Lough Gill

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Nerdy News from London: Von Büchern, Zeitreisenden und Zauberlehrlingen

Es ist nun etwa ein Jahr her, als ich gemeinsam mit Mr. M. diverse Buchhandlungen und Nerd-Attraktionen in London erkundete. Anlässlich der London Film and Comic Con sowie der Reunion der legendären Monty-Python-Truppe hat sich Mr. X. erneut als Location Scout auf die Straßen der britischen Hauptstadt begeben.

Das Londoner Stadtviertel Bloomsbury ist Freunden des guten Buchs ein Begriff. Zu den zahlreichen kleinen, unabhängigen Buchhandlungen in Bloomsbury zählt das Antiquariat Collinge & Clark. Dem einen oder anderen mag die Buchhandlung bekannt vorkommen. In der herausragenden britischen Serie Black Books um den skurrilen Buchhändler Bernard Black fungierte sie als Außenkulisse.

London_Black Books

„Alle Vögel haben ein glückliches Herz…“ – Mit Peter Pan in den Kensington Gardens

Zwischen dem Londoner Hyde Park und den Kensington Gardens erstreckt sich ein See namens Serpentine. Unzählige Vögel leben hier, und sie sind – ebenso wie Peter Pan – zum Flug bereit.

In J.M Barries Erzählung Peter Pan in Kensington Gardens ist Peter Pan noch ein Baby, gerade einmal sieben Tage alt, doch er hat schon ein ganz konkretes Ziel: „Zurück in die Kensington Gardens“ möchte er. Und so gesellt er sich – nach einer kurzen Zwischenlandung in den Kensington Gardens – zu den Vögeln des Serpentine.

Serpentine-Vögel

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Richard III. trifft Doctor Who: Buch und Podcast „Viva Britannia“

Samuel Henry James. Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte der Spross von William und Kate diesen schönen Namen getragen. Kein Wettbüro kreuzte Anfang Juli 2013 in London meinen Weg. Glücklicherweise. Aus Samuel Henry James wurde nämlich wenige Wochen später George Alexander Louis.

inselHätte ich damals schon den Podcast Viva Britannia gekannt, wäre meine Wette vermutlich etwas konservativer ausgefallen. Noch komplexer als befürchtet sind nämlich die Gesetze im Hause Windsor.

Dank der Podcast-Episode Das Königshaus weiß ich nun außerdem, dass noch keine Regelung für jenen Fall getroffen ist, dass sich der kleine George irgendwann in einen Mann verlieben sollte. (Meine Wette geht übrigens auf den wenige Monate jüngeren Rafaël aus dem Hause Grimaldi.)

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Lesen macht dumm, sprach der Rattenfänger und tötete den letzten Moskito

Einst sprach ich mit einem Freund aus Südamerika über den damals gerade erschienenen Fantasy-Roman Deutschland schafft sich ab von Thilo Sarrazin.

„Wie“, fragte mich der Freund erstaunt auf Spanisch, „im Deutschen kann man das Verb ‚abschaffen‘ reflexiv verwenden?“ „Nein“, sagte ich, „das tun nur Deutsche, die von ihren Mitbürgern behaupten, dass sie weder arbeiten noch Deutsch lernen wollen.“ „Cazador de ratas“, sagte der Freund am anderen Ende der Skype-Leitung. „Ja“, sagte ich, „Rattenfänger“.

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Cast a cold eye on life, on death – An Yeats‘ Grab

Es sind keine zehn Kilometer vom irischen Sligo bis zum Dörfchen Drumcliff. Das sagt der Reiseführer. Abends im Pub erfahren wir Genaueres: Wir müssten, so der freundlich-zerknautschte ältere Herr, dem Tafelberg Ben Bulben folgen, wo – by the way – auch das Tor zur Feenwelt sei.

In einem irischen Pub wird jede Geschichte wahr. Und so folgen wir am nächsten Tag dem dichten Wolkenschleier, den die Feen um Ben Bulben legen.

Yeats Drumcliffe Churchyard
Drumcliff Churchyard, im Hintergrund Ben Bulben

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Jahresabschlusslektüren, eins auf die Mütze & ein Lieblingssatz

Seit einigen Monaten bereichern die famosen Tweets von @junaimnetz meine Timeline in Twitter. Nun reichte sie mir, ganz überraschend, ein Buchstöckchen (Und überhaupt! Literatur!) weiter, das ich gerne aufnehme.

Welches Buch liest Du momentan?

Derzeit lese ich den Roman The Barbarian Nurseries von Héctor Tobar, der bald auch auf Deutsch (In den Häusern der Barbaren) als Taschenbuch-Ausgabe erhältlich sein wird. Chronik eines angekündigten Todes von Gabriel García Márquez in der spanischsprachigen Reclam-Ausgabe ist seit November meine On-Off-Lektüre. Außerdem begleitet mich momentan der Roman Rebecca von Daphne du Maurier.

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„Krieg der Bastarde“ in Mainz: Lesung mit Ana Paula Maia

Mit Krieg der Bastarde habe sie ihre literarische Stimme gefunden, sagt Ana Paula Maia. Und was für eine Stimme das ist!

Im Mainzer Lomo stellte Ana Paula Maia gestern Abend gemeinsam mit ihrer deutschen Übersetzerin Wanda Jakob einen Roman vor, der in Brasilien bereits 2007 auf den Markt kam und erst vor wenigen Wochen auf Deutsch beim A1 Verlag erschienen ist.

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„Captain, es war die beste aller Serien…“ | Einblicke in eine Nerd-Bibliothek

Ja, nanu, was macht denn da die halbe Star Trek-Crew über der nordamerikanischen Literatur und – noch schlimmer – vor Kindlers Literaturlexikon?

Crew Books

Der eine oder andere mag ja so seine Probleme mit Popkultur haben. Mit dem Nerdigen, Geekigen. Aber wenn Captain Kirk in Star Trek II – Der Zorn des Khan nicht Charles Dickens‘ Roman Geschichte zweier Städte geschenkt bekommen hätte, dann würde ich bis heute nur die berühmten ersten Zeilen („It was the best of times, it was the worst of times…“) dieses Klassikers kennen. Vermutlich hätte ich auch Dostojewskijs Brüder Karamasow nicht gelesen, wäre Aljoscha in der Verfilmung nicht von Captain Kirk-Darsteller William Shatner gespielt worden.

Star Trek trieb aber nicht nur einige klassische Werke der Weltliteratur in meine Hände, sondern ich verstehe dank Captain Kirk & Co. auch auf Anhieb, warum man einem Buch den Titel Cowboys are my weakness geben kann. Und ich glaube zudem, dank meiner Star Trek-Vergangenheit gut für die Lektüre von Salman Rushdies Chekov and Zulu geeignet zu sein.

Was ist das also nun mit diesem Star Trek? Sekundärliteratur, Medientheorie, das alles habe ich studiert. Bin weder Apokalyptiker noch Integrierter, um mit Umberto Eco anzugeben zu sprechen. Jedenfalls amüsiere ich mich nicht zu Tode.

Seit meiner ersten Begegnung mit Star Trek musste ich nämlich vor allem lernen, dass es in der realen Welt keinen Universalübersetzer gibt. Und so begleiteten mich die (zugegebenermaßen häufig schlechten) Star Trek-Romane zunächst auf Deutsch, dann auf Englisch und später auf Französisch.

Dem aufmerksamen Leser meines Blogs wird außerdem nicht entgangen sein, dass ich gelegentlich auf Spanisch mit Captain Kirk parliere. Erste Recherchearbeiten, mit welchem Crewmitglied ich mein brasilianisches Portugiesisch aufpeppen kann, laufen. Brasilien ist Ehrengast der Frankfurter Buchmesse. Es wird also Zeit, não é?

London: Buchhandlungen, Nerd-Attraktionen und das Ende der Welt

Ein kleiner Ausflug in ausgewählte Londoner Buchhandlungen, zur TARDIS an der Earl’s Court Station und zu einigen weiteren nerdigen Destinationen abseits von Big Ben & Co.

Buchhandlung Bookmarks – The Socialist Bookshop

Das Sortiment der „sozialistischen Buchhandlung” Bookmarks ist sicherlich nicht für jedermann geeignet. Im Bestand finden sich viele theoretische Werke zum Sozialismus, zur Geschichte der Arbeiterklasse und zu den Ländern des Südens. Dennoch ist der Besuch von Bookmarks für Bücherliebhaber jeglicher politischer Coleur zu empfehlen, denn in dem kleinen unabhängigen Buchladen warten sehr nette Buchhändler, hübsche Non-Book-Artikel sowie ein buntes Sammelsurium an gebrauchten Büchern.

Adresse: Bookmarks – The Socialist Bookshop, 1 Bloomsbury Street, London WC1B 3QE, Website: http://www.bookmarksbookshop.co.uk

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Bücher-Juni in Mainz: Die üblichen Verdächtigen in Taschenbuch-Ausgaben

Büchermarkt der Mainzer Johannisnacht: Da waren sie wieder, die gleichen Bücher, die man selbst schon einmal besessen, nicht gelesen und schließlich auf dem Flohmarkt verkauft hat. Steinbeck, Hesse, Lenz, die üblichen Verdächtigen in Taschenbuch-Ausgaben. Es war aber auch ein Wiedersehen mit lieb gewonnenen Freunden, wie etwa den englischen Originalausgaben diverser Star Trek-Romane oder den Werken von Heine und Böll.

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