#fbm15. Grenzen. Überwinden.

Draußen…

K.: „Fachbesucher?“
A.: „Ja.“
K.: „Visitenkarte?“
A.: „Nein. Online-Akkreditierung.“
K. „Ähh?
Scheine wechseln den Besitzer. Die relevanten Papiere.

Drinnen…

Im Pavillon des Gastlandes Indonesien:

fbm15 gastland indonesien

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„Am Ende war das Wort.“ – Nona Fernández: Die Toten im trüben Wasser des Mapocho

Literatur Chile Fernández Wasser MapochoEs sind keine schönen Geschichten, die man sich in den Straßen von Santiago de Chile erzählt. Da gibt es den Indigenen Lautaro, dessen Kopf einst von den spanischen Eroberern auf eine Lanze aufgespießt und in den Fluten des Mapocho versenkt wurde. Seit dieser Zeit geistert Lautaro als kopfloser Reiter durch die Stadt.

Und dann gibt es den Teufel höchstpersönlich, der von zahllosen Sklaven die erste feste Brücke der Stadt erbauen ließ, dank der Santiago „die Tentakeln“ ausstreckte und „den Duft des Paradieses unter dem Zement des Fortschritts“ begrub. Ein Mann in Lumpen. In seinem Handkarren schläft eine Frau, ihre Eingeweide hängen heraus. Man hat ihr das Kind aus dem Bauch gerissen. Das ist ihre Geschichte.

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Sing mir ein Lied vom Drogenbaron – Erazo Heufelders Reisereportage „Drogenkorridor Mexiko“

Drogenkorridor MexikoHoch oben, auf dem Friedhof von Santiago de los Caballeros, thront vor der malerischen Kulisse der Sierra Madre ein gigantischer Marmortempel. Es soll die letzte Ruhestätte des Drogenbosses Ernesto Fonseca Carrillo werden – nachdem er im Gefängnis seine lebenslange Haftstrafe abgesessen hat.

Ihre Denkmäler lassen sich die mexikanischen Drogenbarone schon zu Lebzeiten errichten. Und während sich korrupte Politiker am Drogenhandel bereichern, verkaufen sich Drogenbarone als vermeintliche Philanthropen. Den Menschen in Badiraguato, so schreibt Erazo Heufelder in ihrer Reportage Drogenkorridor Mexiko, sei der Drogenbaron Rafael Caro Quintero als größter Gönner ihrer Gemeinde in Erinnerung geblieben. Er habe nicht nur Schulen und Kirchen bauen lassen, sondern auch abgelegene Ortschaften mit Strom versorgt.

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„Das hier ist die Welt.” – Eliane Brums Fußballgeschichte „Raimundo und der Ball”

Raimundo und der BallIrgendwo im brasilianischen Urwald steht eine geheimnisvolle Truhe, gefüllt mit vergilbten Blättern. Raimundos Urgroßvater hatte sie an jenen Ort mitgebracht, getrieben von den Versprechungen, den Gummibäumen des Urwalds ihre Milch entreißen zu können. Der Inhalt der alten Blätter bleibt seinen Nachfahren verborgen, „denn die Schule hatte als Erste geschlossen, als Gummi fast nur noch so wenig wert war wie ein Mensch”.

An dem Tag, als Raimundos Kindheit endet, zaubert sein Vater noch etwas anderes aus der Truhe. Es ist ein Fußball, den er mit den feierlichen Worten überreicht: „Raimundo, mein Sohn, das hier ist die Welt.”

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„Wenn ihr gewinnt, kostet es euch den Kopf.“ – Eduardo Galeanos „Der Ball ist rund“

Galeano_Der Ball ist rundIm Dezember 1951 bricht der junge Ernesto Guevara mit seinem Freund Alberto Granado zu einer Motorradreise durch Südamerika auf. Nicht ohne Stolz schreibt er aus Kolumbien an seine Mutter: „Ich hielt einen Elfmeter, eine Torwartparade, die in die Geschichte von Leticias eingehen wird.“

Und in Algerien hat es sich der aus ärmlichen Verhältnissen stammende Albert Camus angewöhnt, ausschließlich als Torhüter zu spielen: „Jeden Abend sah die Großmutter die Sohlen seiner Schuhe nach und verabreichte ihm eine gehörige Tracht Prügel, wenn sie wieder einmal zu sehr abgenutzt aussahen.“

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Vom unverschämten Glück, immer eine Pechsträhne zu erwischen – Georges Anglades „Das Lachen Haitis“

Das Lachen HaitisGeschichtsunterricht in Port-au-Prince: „Gegeben sei der Gesamthaushalt Frankreichs in diesem Jahr und ein zum Kapital geschlagener Zins von 12% über hundertfünfzig Jahre (1825-1975). Berechnen Sie, welcher Betrag Haiti eines Tages zusteht. Korrekte Antwort: Die Summe ist so hoch, dass Frankreich zur Begleichung dieser Schulden sein Juwel, den Eiffelturm, versetzen müsste.

Die Haitianer als legitime Erben und Gläubiger des Eiffelturms: Das war schon etwas!“, findet der Erzähler in Georges Anglades Das Lachen Haitis. In neunzig Miniaturen nimmt Anglade den Leser mit auf eine Reise durch Haitis jüngste Geschichte. 

Mit viel Ironie und großer Sympathie schildert Anglade das Leben in der haitianischen Provinz: In Quina, wo sich die Koryphäen ihres Fachs zum Krabbengipfel treffen, wird die Systematik der Krustentiere, die über 5.000 Krabbenarten umfasst, neu geschrieben: Wir taten uns noch weiter hervor und teilten sie feiner in essbare, nicht essbare und tödliche ein. Ein origineller Beitrag von Quina.

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João Paulo Cuenca: Das einzig glückliche Ende einer Liebesgeschichte ist ein Unfall

glueckliches_endeYoshiko ist die perfekte Frau: dunkelbraune Augen, perlweiße Haut, Brustumfang: 92,5 cm. Hergestellt wurde sie im japanischen Unternehmen Luvdoll Inc. Sie ist die teuerste Puppe, die jemals in Japan produziert wurde. Und sie hat nur eine Aufgabe: ihrem Meister Atsuo Okuda zu dienen. Dieser hat nämlich 50 Millionen Yen für seine persönliche Spezialanfertigung gezahlt.

Neben Yoshiko hat Herr Okuda noch eine andere bizarre Leidenschaft, nämlich sein U-Boot. So nennt er seinen Überwachungsapparat aus Kameras, Mikrofonen und angezapften Telefonleitungen, mit dem er ganz Tokio überwacht.

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